Für unseren geliebten Nick


Erhaltungstherapie 2008 (Retinsäurebehandlung über 46 Wochen)

Eigentlich hätten wir diese lt. Protokoll im Januar/Februar starten müssen. Da wir in der Zeit noch mit diversen OP-Komplikationen und Magen-Darm-Infekten zu kämpfen hatten, konnten wir diese erst jetzt im Juli starten.

Als Arzneistoff wurde Isotretinoin in Deutschland eigentlich für die Therapie der Akne zugelassen. In sehr hochdosierter Form, wie Nick sie bekommt, kann Retinsäure auf einzelne möglicherweise verbliebene Neuroblastom-Zellen in der Form wirken, dass sie die bösartigen Zellen in gutartige umwandelt.

Wegen der erheblichen Risiken und Nebenwirkungen werden in der Regel nur schwere und therapieresistente Krankheitsverläufe systemisch behandelt. Der Wirkstoff ist in Europa und Nordamerika zugelassen. Für Schwangere ist dieses Medikament komplett verboten, da es zu schweren Mißbildungen kommen kann.

Wirkungsmechanismen
Bei systemischer Isotretinoin-Therapie verringert sich die Größe der Talgdrüsen. Menge und Zusammensetzung der Talgdrüsenlipide normalisieren sich. Die Akne soll hierüber zur Abheilung gebracht werden. Dennoch sind Rezidive (Rückfälle) möglich. Eine Studie aus dem Jahre 1998 bezifferte die Rezidivrate drei Jahre nach der ersten Therapie auf 61 % der behandelte Fälle.

Eine immunmodulierende Wirkung tritt durch Hemmung der Granulozytenmigration und Stimulation der Langerhans-Zellen ein. Isotretinoin hat auch einen direkten Einfluss auf Lymphozyten.

Isotretinoin bewirkt eine verbesserte Ausreifung der Keratinozyten. Dies trifft auch auf Zellen zu, die Zeichen einer malignen Entartung aufweisen („tumorprotektive Wirkung“). Diese Tumor-schützenden Effekte werden auch nach UV-Bestrahlungen beobachtet.

Isotretinoin wird zu 99,9 % an Proteine gebunden. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 17–50 Stunden. Die Metabolisation erfolgt bei topischer Anwendung in den Keratinozyten, bei systemischer Aufnahme in der Leber. Die Ausscheidung erfolgt über Leber und Niere.


Nebenwirkungen
Bei systemischer Aufnahme können diverse Körperorte von unerwünschten Wirkungen betroffen sein. Die Nebenwirkungen topischer Anwendung bleiben begrenzt auf das behandelte Hautareal.


Haut und Haar
Trockene Haut, insbesondere Lippen, Schälung der Haut, Schleimhautentzündungen und Nasenbluten treten häufig auf. Die Lichtempfindlichkeit der Haut ist erhöht. Isotretinoin ist unter Einwirkung von Sonnenlicht nicht stabil und kann daher bei topischer Anwendung phototoxische Reaktionen hervorrufen. Bei systemischer Aufnahme kommt es in einigen Fällen zu Haarausfall. Am Anfang einer Isotretinoin-Therapie kann es vorübergehend zur Verschlechterung des Hautbildes durch zusätzliche Entzündungen kommen. Als Ursache werden die immunmodulatorischen Eigenschaften des Wirkstoffes vermutet.


Leber
Bei systemischer Aufnahme besteht die Gefahr von Leberfunktionsstörungen und Fettstoffwechselstörungen, was eine engmaschige Kontrolle der Leberwerte notwendig macht. Sehr häufig kommt es zur Erhöhung der Transaminasen. Sehr selten treten Leberentzündungen (Hepatitis) auf.


Nervensystem und Psyche
Bei systemischer Therapie treten häufig Kopfschmerzen auf. Sehr selten kommt es zur Erhöhung des Schädelinnendrucks (intrakranieller Hirndruck), zu Krämpfen und Schläfrigkeit. Eine Beeinflussung des Hirnstoffwechsels konnte nachgewiesen werden. [4] In vitro erhöhte Isotretinoin die Bildung von Proteinen und Zellmetaboliten, von denen bekannt ist, dass sie die Bildung von Serotonin herabsetzen. [5] Depressionen und erhöhte Suizidalität sind in der Diskussion.


Blut und Lymphsystem
Erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und Blutarmut werden bei systemischer Therapie sehr häufig beobachtet. Ebenso Thrombozytopenie und Thrombozytose. Häufig kommt es zur Neutropenie (Mangel weißer Blutkörperchen). Sehr selten erkranken Lymphknoten (Lymphadenopathie).


Augen
Sehr häufig kommt es zu Entzündungen der Lidränder und der Bindehaut, trockenen und gereizten Augen. Sehr selten treten Verschwommensehen, grauer Star, Farbenblindheit, Hornhauttrübung, Nachtblindheit, Hornhautentzündung, Veränderung des Augenhintergrundes mit Schwellung (Papillenödem) als Zeichen eines Pseudotumor cerebri und Lichtscheuheit (Photophobie) auf.


Stütz- und Bewegungsapparat
Sehr häufig kommt es zu reversiblen Muskel- und Gelenkschmerzen. Sehr selten treten Gelenkentzündungen, vorzeitiger Schluss der Knochenwachstumsfugen, überschießende Knochensubstanzbildung (Hyperostose und Exostose) sowie die Verkalkung von Bändern und Sehnen (Kalzinose) auf.

Einnahmeschema:

Woche 0-2, Woche 4-6, Woche 8-10, Wochen 12-14, Wochen 16-18, Woche 20-22
(6 Zyklen)

*** 3 Monate Pause ***

Woche 36-38, Woche 40-42, Woche 44-46
(3 Zyklen)