Der Fluch der schwarzen Perlenkette
Als Nick noch sehr klein war saß er auf einem roten Bärenteppich in einem großen Haus das mit vielen Möbeln voll gestellt war. Die vielen Leute um ihn herum erschreckten ihn so sehr, dass er zu weinen begann und seine Mutter ihn auf den Arm nahm um ihn zu trösten. Das tat sie noch immer wenn er Angst hatte obwohl er nun schon zur Schule ging. Auch sonst konnte er ganz toll mit Mama Tanja schmusen.
Nick liebte Geschichten und im gefiel auch ganz besonders die von Frau Holle . Er liebte den Schnee, aber noch mehr liebte er es mit seinem Surfboard stundenlang auf dem Wasser zu treiben und zu träumen. Manches mal aber gerieten verschiedene Träume so durcheinander dass nichts mehr zueinander passen wollte. Dann waren Piraten plötzlich auf einem Lava speienden Vulkan anstatt auf ihrem Schiff, ein Geist spielte Monopoly mit ihm und seinem besten Freund Nikolas, und Cosimo, der normalerweise in Florenz wohnte sah aus wie Merlin, der Zauberer von König Artus und hatte ständig ein Buch unter dem Arm auf dem die Zahlen 18112009 standen.
Der kleine Nick zermarterte sich den Kopf. Was sollte das denn alles bedeuten. Er überlegte und überlegte und der Kopf wurde ihm ganz schwer. Warum waren die Piraten auf dem Vulkan und warum spielte der Geist Monopoly und hatte zudem noch eine schwarze Perlenkette um den Hals? Nick wurde den Gedanken nicht los dass der Geist schwer an dieser Kette trug, denn er lief immer gebeugt und nachdenklich durch den Raum und der Geist redete kaum.
“Hallo Geist” versuchte Nick immer wieder zu fragen, “wie heißt du denn?” “Mein Name ist Mal Destino” und die Kette ist so schwer“. “Hey, dann nimm sie doch ab” sagte Nick. “Das geht nicht so einfach” sagte Mal, “denn die Kette ist mit meinem Körper verbunden”. Und dann war der Geist plötzlich verschwunden. “Komisch” dachte Nick, aber er sprach mit niemandem darüber.
In der nächsten Nacht träumte Nick wie er mit Ribery bei strömendem Regen durch den Garten lief und einem Ball hinterher rannte und hörte immer wieder seine Mutter rufen “Bitte Nick nicht, du erkältest dich sonst noch” .Als er die Augen aufmachte lag Mama neben ihm auf dem Bett und schlief. Mama machte sich immer so viel Sorgen um ihn, aber das musste sie doch gar nicht, er war doch ein großer Junge.
Es vergingen ein paar Tage und als der 2. November kam und der Vollmond am Himmel hing, träumte Nick wieder einmal von den Piraten. Sie hatten in ihrem Schiff schwarze Perlen aus Lava geladen und wollten sie nun verkaufen. Eigentlich sahen sie ja ganz schön aus obwohl sie nicht glänzten und aus einem sehr porösen Material bestanden. Sie konnten so heiß wie Feuer brennen oder kalt wie Eis sein. Und plötzlich erschien in dem Traum auch noch der Geist, der sich vor einiger Zeit mit dem Namen “Mal Destino” vorgestellt hatte. “Hey Nick” sagte Mal, “hier hast du meine Kette, sie ist so schwer, trägst du sie mir?” “Ja” sagte Nick - denn er hatte gehört dass Lava Perlen sehr leicht wären - und so hängte ihm der Geist die Kette um.
Am nächsten Tag wachte Nick auf und fühlte sich ganz müde. So ging es einige Tage, aber er sagte nichts. Er glaubte es hinge mit seinem Traum zusammen. Auch als ihn Mama fragte wollte er nichts sagen, er glaubte dass sie dann Angst bekäme. Es war aber auch komisch, denn wenn er mit Papa in die Geisterbahn ging sah er die Geister wenn er die Augen offen hatte - zuhause aber sah er nur einen Geist, und den immer nur dann , wenn er die Augen schloss.
Nick überlegte, sollte er nun Nikolas, Laurin und Viktor von den komischen Träumen erzählen oder alles für sich behalten? Er entschied, das ganze erst einmal mit Nikolas, seinem besten Freund, zu besprechen. “Hallo Niko” sagte er in der Schule, “hast du nachher Zeit?” “Na klar, und dann spielen wir Monopoly” sagte Niko zu Nick. “Ein Geist hat mir ne Kette umgehängt” begann Nick und Nikolas schaute ihn mit ganz großen Augen an “Ein Geist?” wiederholte er, “aber das gibt es doch gar nicht”. Oh je, kurz war Nick etwas enttäuscht aber im nächsten Moment fragte ihn Nikolas “wie kommst du denn darauf?” . “Na ja” sagte Nick , “ich habe gesehen dass es ihm so schwer fällt und er ganz gebeugt gelaufen ist und dann habe ich ihm angeboten die Kette ein Stück zu tragen. Aber jetzt wird sie auf einmal so schwer und brennt fürchterlich auf der Haut”. Jetzt sah ihn Nikolas besorgt an. “Weiß deine Mutter davon? “Nein” sagte Nick , “sie sorgt sich sonst so“.
Kurz darauf kam Nick’s Cousin Cosimo aus Florenz zu Besuch. Es war verrückt - er war zu Halloween nicht nur wie ein Zauberer verkleidet gekommen, er hatte auch zwei Bücher für Nick dabei und einen kleine flachen Kasten. Zuerst dachte Nick dass es ein Zauberkasten wäre, aber es stand in großen Lettern LÜK darauf . Auf dem einen Buch das Cosimo mitbrachte standen die Zahlen 2007 / 2008 / 2009 auf dem anderen, doch tatsächlich wie im Traum, die 18112009.
“Hey Cosi” ist das ein Rechenbuch, fragte Nick gespannt, denn er liebte Zahlen und Cosimo erklärte ihm, dass es ein Buch der Nummerologie war. “Zähl mal die Zahlen zusammen” sagte er und kaum hatte er das gesagt war Nick schon mit dem Ergebnis da. “6024” sagte Nick wie aus der Pistole geschossen. “Nein” sagte Cosimo, du musst die Quersumme ziehen , also alle Zahlen zusammen zählen bis am Schluss nur noch eine da steht. “OK” sagte Nick und hatte das Ergebnis auf ein Blatt Papier geschrieben. “Siehst du, so viele Wünsche hast du frei” sagte dann Cosimo zu ihm. “Whow” sagte Nick, “das ist ja klasse“.
Nachdem die Herbstferien vorbei waren und Cosimo schon wieder nach Florenz zurück gefahren war, trafen sich Nick und Nikolas zum spielen. Das Monopoly lag wie vor zwei Wochen auf dem Boden in der Ecke des Zimmers und Nick hatte das Geld in jedem Fach fein säuberlich gestapelt und gezählt. Nick hatte die Schloss-Straße und Nikolas hatte fast sein ganzes Geld verloren und sollte ins Gefängnis.
Nick musste lachen. “Ich finde das blöd” sagte Nikolas “da hab ich niemanden zum reden”. “Weißt du” sagte Nikolas “wenn ich traurig bin oder Angst habe erzähle ich es meiner Mama und meinem Papa, manchmal auch Oma und Opa oder dir und Laurin”, “ich hab noch nie von Geistern geträumt” sagte er noch und wollte damit wohl sagen dass das gut war. “Und weißt du was” sagte er noch “wenn ich Zebra-Nudeln esse sehe ich ganz gut und meine Bauchschmerzen gehen weg. „Ehrlich“? fragte Nick der noch nie etwas von Zebra-Nudeln gehört hatte. Dann spielten sie weiter miteinander und dabei vergas Nick ganz Nikolas von seinem Traum zu erzählen.
Als Nikolas wieder zuhause war bekam Nick großen Hunger und ging in die Küche zu Mama die gerade Nudelwasser aufstellte. „Mama, machst zu Zebra-Nudeln?“ fragte er. „Warum denn“ fragte sie zurück, weil sie auch noch nie von dem Gericht gehört hatte. „Ich hab Bauchschmerzen, und Nikolas sagt die helfen“ sagte er und kuschelte sich schon an Mama. „Und, was hat Nikolas sonst so gesagt?“ wollte sie nun wissen. „Hm, naja, weißt du er hat noch nie von Geistern geträumt...., aber ich und die ... „ er wusste gar nicht was er erzählen sollte denn Mami bekam plötzlich ganz dicke Denkfalten auf der Stirn. „Ich glaub ich hab da irgendwo noch ein Buch“ sagte sie, „wenn du mir genau erzählst was die Geister machen und wie sie aussehen, können wir sie bestimmt vertreiben.“ „Weißt du“ sagte sie „es gibt Dinge, die wir nicht verstehen, aber es gab schon immer gute und böse Geister. Erinnerst du dich an die guten Feen und die Böse in Dornröschen?“ fragte sie „manche schicken böse Gedanken in die Welt die man aber mit guten Gedanken vernichten kann – du musst ganz fest dran glauben, nur manchmal dauert es ein wenig.“ „Mama, Zebra-Nudeln“ bettelte Nick noch mal.
Also rief Tanja bei der Mutter von Nikolas an und lies sich das Rezept geben. (Zwiebeln, Gelbe Rüben, Salz, Pfeffer, Bandnudeln und Parmesan). „und du willst die jetzt wirklich essen“ fragte Mama die sich nicht ganz sicher war ob er das essen würde. „Bitte Mama, die sollen Wunder wirken hat Nikolas gesagt“ bat Nick obwohl er noch nie was von – Gelben Rüben - gehört hatte.
„Jam – war das lecker“ riefen Nick und sein kleiner Bruder Luke begeistert aus. „Wie wär’s mit dem bunten Vulcano Teller morgen?“ fragte Tanja und die Buben sprangen begeistert um den Tisch herum.
„So, jetzt noch kurz in die Wanne und dann ab ins Bett“ sagte Tanja und die beiden Jungs spritzten sich mit ihren SpongeBob – Schwämmen voll, so dass es im Badezimmer einer halben Piraten Wasserschlacht glich. „Gute Nacht“ sagte sie und gab den beiden noch einen dicken Kuss. „Träumt was schönes, und morgen möchte ich wissen was“. Sie lies die Türe noch ein wenig offen bis sie beide ruhig atmend schlafen hörte.
In dieser Nacht träumte Nick etwas ganz komisches. Er war mit seinem Lieblingsteddy auf einen Vulkan geklettert und hatte vom Rand hineingeschaut. Es blubberte rot und roch fürchterlich nach Schwefel so dass es im ganz schwindelig wurde. Im nächsten Moment ging er über eine grüne Wiese und wieder auf einen Berg zu der ganz genau die Form wie der Vulkan hatte, nur waren da ganz viele Blumen. Selbst in dem Loch waren Blumen und in der Mitte ein See in dem man schwimmen konnte. Sein Teddy lag auf seinem Surfbrett neben dem See und auf dem Handtuch daneben lag ein Baby das genauso aussah wie Nick als kleiner Junge.
"Guten Morgen mein Schatz" sagte Mama und zog den Vorhang zurück, damit die Sonne in Nick’s Zimmer scheinen konnte. "Na, gut geschlafen, hast du was schönes geträumt?" frage sie. Nick erzählte ihr den Traum und beide beschlossen in einem Buch die Bedeutung nachzulesen. "Ist das wirklich so"? fragte er danach, als ihm Tanja alles erklärt hatte. Nick hatte von der Vergangenheit und der Zukunft geträumt .Vielleicht sollte er Mama doch von den anderen Träumen erzählen oder wenn er Angst hatte mit ihr reden, so wie Nikolas das auch machte.
Am nächsten Abend konnte Nick nicht einschlafen weil Luke kurz vorher mit einem Bettuch behängt unvermittelt hinter der Zimmertür heraus getreten war und ihn erschreckt hatte. "Was ist denn los, das war doch nur dein kleiner Bruder" sagte Tanja und sie nahm ihn in den Arm und sang ihm ein Lied vor das von ihrem Stern handelte .
Dann erzählte er ihr von dem Geist, der ihm die die Schwarze Perlenkette umgehängt hatte, die er nun nicht mehr wegnehmen konnte. "Dann vertreiben wir jetzt den Geist" sagte sie zu ihm. "Wo ist dein Zauberbuch" fragte sie Nick, der das LÜK Rechenbuch so nannte da immer ganz besondere Figuren am Ende raus kamen wenn man die Aufgabe richtig löste. Cosimo hatte ihm das geschenkt und da waren oben Zahlen drauf. "Tolle Idee, Mami" rief Nick voller Freude, denn gerade hatte er sich erinnert, dass er ja drei Wünsche frei hatte. Als Mama jetzt das Rechenbuch mit der ISDN Nummer 18112009 aufschlug fiel ein Zettel heraus auf dem ein Zauberspruch stand. Cosimo hatte den wohl für Halloween aufgeschrieben. "Geister ihr, oh böse Geister schon bald findet ihr den Meister, der mit seiner eignen Kraft euren Fluch zunichte macht, wer im sitzen pinkeln kann der wird auch ein großer Mann". Als Mama das für Nick vorlas mussten beide schallend lachen, denn Tanja erinnerte sich, dass Nick als Baby mal einem Arzt ins Gesicht gepieselt hatte.
"Ok Nick, wünsch dir was" sagte Mama, aber ihm wollte gar nicht so recht was einfallen. "Mama, ich möchte Boxer werden wenn ich groß bin" sagte er plötzlich. "Ok, ich glaub ich kenn da jemanden" sagte Tanja und hatte schon eine Idee. "Mit Wünschen muss man aber ganz vorsichtig umgehen und in Ruhe überlegen" sagte sie dann, "einmal gedacht schwirren sie in der Welt umher und suchen sich dann einen Platz zum ausruhen". Hatte der Geist, der sich nur nach langem Fragen mit "Mal Destino" vorgestellt hatte im die Schwarze Perlenkette an den Hals gewünscht - das war ja eine unschöne Vorstellung. So beschloss Nick sich nur noch ganz besonders Schöne Dinge für sich und andere zu wünschen und er sprudelte nur so vor sich hin. "Na gut" sagte Mama "für dich hast du jetzt erst mal drei Wünsche frei, für die anderen so viel du willst. Kurz war Nick ein wenig enttäuscht, aber dann überlegte er nochmal genau
3 für mich
3 für Luke
3 für Mama
3 für Papa
3 für Oma
3 für Opa
3 für Nikolas
3 für Laurin
3 für Viktor
3 für Lino
3 für Thomas
3 für Cosimo
3 für die ganze Welt
'"Mensch, ich kann mir ganz viel wünschen" sagte er. "Ja" sagte Mama, und wir schreiben alle Wünsche auf, dann schicken wir sie weg, wenn du willst. "Toll" sagte Nick und setzte sich hin, malte Bilder. Mama schrieb seine Wünsche für die anderen auf. "Jetzt ist aber Schluss" sagte Mama, die vor lauter reden gar nicht gemerkt hatte wie spät es eigentlich schon war. "Lass uns noch ein kurzes Abendgebet sprechen" sagte sie dann und auf einmal begann Nick zu beten "Lieber Gott ich weiß genau, später hab ich mal ne Frau und einen Sohn - sieht aus wie ich - doch denn nenn ich dann Friederich, doch jetzt möcht ich schlafen und, mach alle die krank sind schnell gesund", "Amen" sagte Mama und gab ihm einen Kuss.
Bei so vielen guten Gedanken kann es gar nicht anders sein dachte sie, las ein Horoskop und schmunzelte. Dort stand doch tatsächlich "Die kleine Jungfrau musst du loben, dann hört sie gewiss auch auf zu toben". Danach fiel ihr etwas in die Hand das aus einer anderen Welt gekommen schien. Es war ein kleines silbernes Kästchen mit bunten Perlen und einem Zettel darin auf dem stand "den Fluch der schwarzen Perlen den kannst du brechen, du musst es dir und deinem nur Herz versprechen, mit jeder Perle in der Hand, wird er dann schon ein Stück gebannt. Aufgefädelt auf die Schnur ist jede Perle wie ein Schwur, für Liebe, Freundschaft und für eben, den geliebten Menschen, denn ihm schenkt sie ein langes Leben."
Das ist eine gute Idee dachte sie und hörte erst auf, als keine Perle mehr in dem Kästchen zu finden war. Das hatte gut getan, nun wusste auch sie, dass der Fluch gebannt werden konnte und sie bald alle wieder ruhig schlafen würden. Bevor sie ins Bett ging legte sie die Perlenkette wie einen Schutzschild um Nick’s Bett. "Gute Nacht" sagte sie , küsste ihn und verließ leise das Zimmer. "Gute Nacht" hörte sie in ihrem Kopf und wusste, dass soeben ein guter Geist zu ihr gesprochen hatte. "Alles wird gut" hörte sie immer wieder wie ein Echo bis sie einschlief.
Ende